Kontakt & Service
Jetzt Beratung vereinbaren

In wenigen Schritten einen Beratungs­termin mit unseren Experten buchen.

Anwender Helpdesk

Hilfestellung bei Problemen in Ihren SAP-Systemen.

Schulungen

Unser Schulungsangebot. Jetzt informieren!

Webinare

Unser Webinarangebot. Jetzt informieren!

SAP LGM

News & Wissen SAP Logistics Management (LGM): Neues Cloud-Modul für integrierte und effiziente Logistikprozesse

Die Anforderungen an die moderne Logistik steigen stetig: Globale Lieferketten, volatile Märkte und wachsende Kundenerwartungen erfordern flexible und integrierte Lösungen. SAP Logistics Management (LGM) ist ein neues cloudbasiertes Logistikmodul von SAP, das auf diese Bedürfnisse abzielt.

SAP LGM vereint die Lagerverwaltung und das Transportmanagement in einem System zusammen, um Abläufe effizienter zu gestalten und eine nahtlose Zusammenarbeit im Logistiknetzwerk mit Transportdienstleistern zu ermöglichen.

Zusätzlich wird es erstmalig die Möglichkeit geben, direkt in SAP das eigene systemische Lager grafisch und dreidimensional als Layout anzeigen zu lassen. Ebenso ist Joule direkt von Beginn an als KI-Logistik-Assistent integriert.

Warum braucht es ein solches Modul?

In der Vergangenheit standen SAP-Anwender vor der Wahl zwischen dem einfachen SAP Stock Room Management (ehemals SAP WM, im SAP S/4HANA-Kern enthalten) und dem umfassenden SAP Extended Warehouse Management (EWM). Viele Unternehmen versuchten mit SAP EWM und SAP Transportation Management (TM) weltweit zu standardisieren. Doch für kleinere Lager erwies sich SAP EWM ggf. als „zu groß“ – Implementierungen dauerten länger, die Konfiguration war komplexer und der Schulungsaufwand höher.

Die Folge: In kleinen Standorten rechnete sich der Einsatz von SAP EWM ggf. nicht. Oft blieb man dort bei der doch zu einfachen Lagerverwaltung SAP Stock Room Management (SRM) oder wich auf Drittanbieterlösungen aus. Dies führt jedoch zu fragmentierten Systemlandschaften und Lücken in Transparenz und Prozessintegration.

Mit SAP LGM schließt SAP diese Lücke. Das Modul wurde offiziell am 7. Oktober 2025 auf der SAP Connect in Las Vegas vorgestellt. Es richtet sich speziell an Unternehmen mit SAP S/4HANA und mehreren kleineren oder mittelgroßen Lagerstandorten mit moderater Komplexität.

Während große Distributionszentren weiterhin auf SAP EWM und SAP TM setzen werden, bietet SAP LGM eine leichtgewichtigere, cloudnative Alternative für regionale Lager und kleinere Versandstandorte. Technologisch basiert SAP LGM auf der SAP Business Technology Platform (BTP). Damit ist SAP LGM ein Software-as-a-Service-Angebot, das laut SAP ungefähr alle zwei Wochen neue Features erhält und weiterentwickelt wird. SAP betont, das Modul SAP LGM wird im ersten Quartal des Jahres 2026 für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

Einordnung von SAP LGM in das bestehende SAP-Portfolio

SAP Stock Room Management (SRM)

SAP Stock Room Management (SRM) bezeichnet die in SAP S/4HANA integrierten grundlegenden Lagerverwaltungsfunktionen – im Grunde der Nachfolger des klassischen SAP WM in SAP S/4HANA. SAP SRM ist für einfache Lagerprozesse gedacht, zum Beispiel zur Verwaltung von Lagerplätzen, einfachen Ein- und Auslagerungen und Bestandsführung. Der große Vorteil: Es ist für SAP S/4HANA-Kunden ohne zusätzliche Lizenz nutzbar und direkt ins ERP eingebettet. Für kleinere Lager mit überschaubaren Prozessen ist das SAP SRM eine kostengünstige und sofort verfügbare Lösung.

Allerdings stößt es bei komplexeren Anforderungen schnell an Grenzen – etwa wenn Automatisierung ins Spiel kommt oder erweiterte Funktionen wie Wellenplanung, prozessabhängige Wegesteuerung, integrierte Materialflusssteuerung oder detaillierte Verpackungslogik benötigt werden. Viele dieser fortgeschrittenen Funktionen fehlen im SAP SRM vollständig oder sind nur eingeschränkt vorhanden. Für Unternehmen mit ausschließlich sehr einfachen Lagern kann das SAP SRM dennoch ausreichend sein. Sobald jedoch Wachstum oder speziellere Anforderungen auftreten, reicht es oft nicht mehr aus.

SAP Extended Warehouse Management (EWM)

SAP Extended Warehouse Management (EWM) wurde entwickelt, um genau diese Lücken zu füllen. SAP EWM ist die umfassende Lagerverwaltungssoftware von SAP für hochkomplexe Logistikszenarien. Sie deckt den vollen Funktionsumfang ab - von verschiedenen Ein- und Auslagerstrategien über Nachschubsteuerung, Serialnummern- und Chargenverwaltung bis hin zu Cross-Docking, Zollabwicklung und mehrstufigen Lagerprozessen. Dies erlaubt auch den Betrieb hochautomatisierter Lager – inklusive Anbindung von Fördertechnik, automatischen Hochregallagern, fahrerlosen Transportsystemen und Robotik über die Materialflusssteuerung (MFS) im SAP EWM.

SAP EWM existiert in zwei Varianten: Basic EWM (in SAP S/4HANA embedded mit begrenztem Funktionsumfang) und Advanced EWM (mit vollem Umfang, separat lizenzierbar, auch dezentral einsetzbar). Basic EWM umfasst bereits mehr als das Stock Room Management – z.B. komplexes Handling-Unit-Management, erweiterte Inventurfunktionen, den Lagerverwaltungsmonitor und die Queue- und Ressourcensteuerung. Doch auch Basic EWM hat Beschränkungen: Hochentwickelte Funktionen wie Yard-Management oder das MFS bleiben der Advanced-Option vorbehalten. Unternehmen mit globalen, vernetzten Lagerstrukturen und Bedarf an maximaler Leistungsfähigkeit sowie hohem Automatisierungsgrad in der Logistik setzen in der Regel auf Advanced EWM – trotz des höheren Einführungsaufwands und zusätzlicher Lizenzkosten, denn SAP EWM gilt als strategische SAP-Lösung in der Logistik, die langfristig weiterentwickelt wird.

SAP Logistics Management

Vor diesem Hintergrund positioniert sich nun SAP Logistics Management (LGM) als neue dritte Option im SAP-Portfolio. SAP LGM ist eine cloudnative Logistiklösung auf der SAP BTP, die grundlegende Funktionen der Lagerverwaltung und des Transportmanagements in einer Plattform vereint. Es richtet sich an Lager mit niedriger bis mittlerer Komplexität, wie sie etwa bei kleineren regionalen Verteilzentren oder Ersatzteillägern zu finden sind. Im Gegensatz zu SAP EWM zielt SAP LGM darauf ab, Implementierungsaufwand und Systemkomplexität deutlich zu verringern. Möglich wird dies durch vordefinierte Best Practices und den Verzicht auf übermäßig komplexe Customizing-Möglichkeiten.

Funktional deckt SAP LGM die wichtigsten Kernprozesse in Lager und Versand ab: Wareneingang, Einlagerung, Umlagerung, Wellenmanagement, Kommissionierung, Verpacken und Warenausgang sind im Grundumfang enthalten. Die direkte Integration des Transportmanagements ermöglicht es zusätzlich, direkt im gleichen Modul Lieferungen zu planen und Transporte zu disponieren – insbesondere für Paketversand, Stückgut (LTL) und komplette LKW-Ladungen (FTL) im Straßentransport. Funktionen wie Tourenplanung für einfache Relationen, Zuweisung von Spediteuren zu Transportaufträgen und Zusammenfassen von Sendungen gehören zum Leistungsumfang. Durch die direkte Anbindung an das SAP Business Network for Logistics (BN4L) können Frachtanfragen digital direkt an Spediteure versendet und Angebote eingeholt werden.

Auch das SAP Dock Appointment Scheduling - die Planung der Ladetore mithilfe von Transporteinheiten und Fahrzeugaktivitäten - zur Vermeidung von Wartezeiten an der Rampe ist vorgesehen. Die SAP Logistics Mobile App zur Durchführung von Warenbewegungen oder der Kommissionierung ist ebenfalls anbindbar. Zusätzlich lässt sich das SAP LGM an bereits bestehende SAP S/4HANA Private Cloud-Lösungen nahtlos anbinden.

Trotz der Integration von Transport- und Lageraspekten bleibt SAP LGM bewusst schlank. Einige fortgeschrittene Funktionen von SAP EWM sucht man (zumindest in der aktuellen Version) vergeblich. So unterstützt SAP LGM keine Gefahrstoffgutbehandlung, keine Serialnummerverwaltung und nur geringfügig mehrstufige Prozesse (Pick & Pack im geringen Umfang) – anders als SAP EWM, das diese komplexeren Prozesse abdecken kann. Ebenso fehlen jegliche Automatisierungsanbindung an Fördertechnik oder Robotik in SAP LGM.

Das Modul ist nicht darauf ausgelegt, hochautomatisierte Hochleistungsläger zu steuern oder Spezialprozesse wie temperaturgeführte Läger oder ähnliches abzubilden. Hierfür bleibt weiterhin SAP EWM die richtige Wahl. Daher wird SAP LGM SAP EWM und SAP TM nicht ersetzen. Es konzentriert sich stattdessen auf Standardabläufe in Lager und Versand. Sobald Anforderungen wie multimodale Transportplanung (z.B. kombinierter Land/See/Luftverkehr), strategische Frachtoptimierung, tiefes Qualitätsmanagement oder die Integration von MES-Systemen/E-Commerce ins Spiel kommen, wird man weiterhin SAP EWM und SAP TM benötigen.

Mit SAP LGM verfolgt SAP das Prinzip „80/20“. Für viele kleinere Standorte dürfte das ausreichend sein und gerade die bewusste Limitierung des Funktionsumfangs kann Vorteile bringen. Weniger Komplexität bedeutet schnellere Implementierung, weniger Schulungsaufwand und geringere laufende Betriebskosten.

Trotzdem gibt es einige technologische Innovationen in SAP LGM. Beispielsweise ist in der aktuellen LGM-Version bereits Joule als KI-basierter Logistikassistent integriert, der in Echtzeit Daten analysieren kann und Prozesse automatisiert unterstützt. SAP setzt hier auf Generative AI, um z.B. Prognosen oder Entscheidungsunterstützungen in der Lagerverwaltung und dem Transportmanagement zu bieten.

Die KI-Funktionen sind von Anfang an Teil der LGM-Architektur. SAP EWM wird zwar sukzessive um KI-Funktionen erweitert, hatte diese aber nicht von Anfang an und vor allem nicht vollständig integriert. Auch die Benutzererfahrung profitiert von der Cloud-Basis. SAP LGM bietet ein modernes Fiori-Interface und sogar eine grafische 3D-Visualisierung des Lagers out-of-the-box. Mit dieser 3D-Lagerlayout-Ansicht lassen sich Lagerbereiche und Regale dreidimensional darstellen.

Fazit und Ausblick

SAP Logistics Management adressiert einen klaren Bedarf: Es bietet SAP-Kunden eine moderne, integrierte Logistikplattform für Lager- und Transportprozesse, die einfacher und schneller einsetzbar ist als ein vollumfängliches SAP EWM. Strategisch ergänzt SAP LGM das SAP-Portfolio und schließt die Lücke zwischen den einfachen Lagerfunktionen von SAP Stock Room Management und den komplexen SAP EWM/TM-Lösungen. Auch die Wartung gestaltet sich einfacher. Als Cloud-Service im SAP-Betrieb können für den Kunden viele Infrastrukturthemen entfallen und Updates werden automatisch eingespielt. Mit Features wie dem 3D-Lagerlayout und dem KI-Assistenten Joule zeigt LGM zudem einen Ausblick auf die Zukunft der Lager-IT, in der Visualisierung und künstliche Intelligenz eine größere Rolle spielen.

Aktuell steckt SAP LGM allerdings noch in den Anfängen. Bis Anfang 2026 befindet sich das Produkt in einer eingeschränkten Verfügbarkeitsphase. Das heißt, für die allermeisten SAP-Kunden ist SAP LGM heute noch keine sofort nutzbare Option. SAP hat jedoch bereits angekündigt, den Funktionsumfang zügig auszubauen und anhand des Feedbacks der ersten Testkunden weiter zu optimieren. Man kann erwarten, dass in den nächsten Releases von SAP LGM nach und nach weitere Funktionen hinzukommen, wodurch mittelfristig SAP LGM eine durchaus realistische Lösung sein kann.

SAP LGM wird bewusst schlank bleiben, um die Versprechen der schnellen Implementierung und der geringeren Komplexität einzuhalten. Dies bedeutet, dass in den kommenden 1–2 Jahren eine echte Alternative für alle Lager entsteht, für die SAP EWM bislang zu komplex war und das SAP Stock Room Management zu wenig konnte. Unternehmen sollten SAP LGM bei ihrer IT-Strategie im Logistikbereich auf dem Radar behalten. Insbesondere wer bereits auf SAP S/4HANA Cloud Private Edition setzt und über verteilte Lagerstrukturen verfügt, kann mittelfristig von SAP LGM profitieren – sei es, um Drittanbieterlösungen abzulösen oder um manuelle Prozesse in kleinen Lägern zu digitalisieren und ans zentrale SAP-System anzubinden.

Langfristig wird SAP LGM voraussichtlich die Rolle vom Stock Room Management vollständig übernehmen, sobald dieses ausreichend greift und allgemein verfügbar ist. SAP positioniert SAP LGM klar als zukünftigen Standard für kleinere und mittlere Lagerstandorte. Für große, komplexe Logistikzentren wird auch auf lange Sicht SAP EWM die führende Lösung bleiben – hier investiert SAP weiterhin in neue Funktionen, wie etwa jüngst in EWM-Embedded AI oder Advanced Shipping and Receiving Erweiterungen.

SAP LGM und SAP EWM werden vielmehr koexistieren und unterschiedliche Bedürfnisse abdecken. Möglich ist auch, dass SAP in Zukunft engere Integrationen zwischen SAP EWM und SAP LGM schafft, um gemischte Landschaften noch reibungsloser zu machen. Bereits heute ist SAP LGM dafür ausgelegt, mit SAP EWM und SAP TM zusammenzuspielen. So könnten Unternehmen z.B. ein zentrales SAP EWM-System betreiben und mehrere SAP LGM-Satelliten anbinden – alle verknüpft über das Business Network und orchestriert durch das SAP S/4HANA-System im Hintergrund.

Zusammenfassend bietet SAP LGM für SAP-Anwender, Logistikentscheider und Fachbereichsleiter einen vielversprechenden neuen Baustein.

 

Stand: 29. Oktober 2025
Beratende Person
Kontakt Haben Sie Fragen oder wünschen weitere Informationen? Unsere Experten beraten Sie gerne.