Der Brexit ist beschlossene Sache – richten Sie sich als SAP-Anwender darauf ein

Am 31. Januar 2020 um Mitternacht war Brexit! Wie konnte es dazu kommen?

Am 29. März 2017 löste das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland Artikel 50 des Vertrages über die Europäische Union aus. Der Anfang des Brexits. Das erste Datum für den Austritt war der 29. März 2019. Was folgte, war gefühlt vor allem eins: der wahre Austritt wurde mehrmals verschoben. Der politische Prozess rund um den Brexit hat das Vereinigte Königreich mit David Cameron und Theresa May bereits zwei Premierminister gekostet. Seit dem 24. Juli 2019 ist Boris Johnson im Amt und konnte einen großen Durchbruch verkünden: das Unterhaus, das Oberhaus und Königin Elisabeth II. haben das aktuelle Abkommen angenommen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und der EU-Ratspräsident, Charles Michel, unterschrieben am 24. Januar 2020 das Abkommen, welches am 29. Januar 2020 von dem Europäischen Parlament ratifiziert wurde.

Damit war der Austritt zum 01. Februar 2020 endgültig beschlossene Sache. Der politische Brexit ist vollzogen. Doch was bedeutet dies?

Der wichtigste Punkt: Großbritannien hat am 01. Februar 2020 die Europäische Union verlassen.

Der zweite Punkt: Es ändert sich bis mindestens 31. Dezember 2020 nicht viel.

SAP hat eine Reihe von Hinweisen mit Programmänderungen und Handlungshinweisen veröffentlicht, welche es ermöglichen die Systeme auf einen konformen Stand zu bringen. Die meisten dieser Hinweise betreffen SAP GTS. Es existieren zudem auch Hinweise für SD, MM und FI. Hierbei sind Unterschiede zwischen SAP ECC und SAP S/4HANA zu beachten.

Die größten Änderungen betreffen die Bereiche Risk Management (Präferenz) und Electronic Compliance Reporting (Intrastat). Im Präferenz-Bereich muss die Entscheidung getroffen werden, ob weiter mit Langzeitlieferantenerklärungen für das Vereinigte Königreicht gearbeitet wird. Hier liegt das Risiko weder bei der EU noch bei GB. Die EU wird die Länder, mit denen sie Vereinbarungen unterhält, bitten, dass Vereinigte Königreiche weiter als EU-Mitglied zu behandeln. Derzeit spricht einiges dafür, dass diese Regelung akzeptiert wird. Es gibt jedoch das Risiko, dass einige Länder diese Regelung ablehnen. In diesem Fall wären die Präferenzaussagen unter der Verwendung von Waren auf dem VK nicht mehr gültig. Für diesen Fall muss in jedem Unternehmen entschieden werden, ob dieses Risiko eingegangen werden soll, oder ob die Lieferanten systemseitig von den Anforderungen ausgeschlossen werden sollen.

Doch das dicke Ende kommt erst noch.

Die EU und das Vereinigte Königreich haben jetzt bis Ende 2020 Zeit, sich darüber zu einigen, wie es nach der Übergangsphase weitergehen soll. Diese Frist kann bis Mitte des Jahres um maximal zwei Jahre verlängert werden. Diese Option schließt Premierminister Boris Johnson jedoch derzeit kategorisch aus. Ob es gelingt, entsprechende Abkommen in der zur Verfügung stehenden Zeit auszuhandeln, ist jedoch unsicher. Und so könnte es am Ende doch noch zum gefürchteten harten Brexit kommen.

Autor: Peter Brindöpke